Musterzimmer #.01 2019-04-29T19:18:22+00:00

Project Description

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© Photo : Jörg Behrens

musterzimmer #.01

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Sehr individuell zeigten sich die Entwürfe für das erste Gästezimmer des künftigen Tagungshauses. Im letzten Semester befassten sich drei Architekturstudierende in ihrer Bachelorthesis mit dem Thema „Musterzimmer Vol. 1“.
Innerhalb des o.g. Konzeptes war der geeignete Raum im Schloss zu finden, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln und dieses bis zur Baureife durchzuplanen. Während die Komplexität der Entwurfsaufgabe der eines Erst-Semester-Stegreifs
entspricht, waren die Anforderungen an die Ausarbeitung naturgemäß hoch. Elektro und Sanitärplanung, Möblierungs- und Beleuchtungskonzept waren inklusive einer dezidierten Bauanleitung, zuzüglich Kostenschätzung und Ablaufplanung in nur sechs
Wochen zu erarbeiten. Es folgte die Auswahl eines Konzeptes, das für die Realisierung anstand. Die Wahl fiel auf das Konzept von Nick Gemmecke, einem sideboard-artigem Möbel, das den schmalen Raum längs begleitet. In ihm sind sämtliche Funktionen integriert: Schlafen, Aufbewahren, WC, Dusche und Waschbecken und zwar so, dass man sie bei Bedarf auf- und zuklappen kann. Allerdings entspricht dieses Konzept nicht den allgemeinen Vorstellungen vom Kurzzeitwohnen. Zwar hat man sich daran gewöhnt, dass Waschbecken nicht mehr in der Nasszelle zu finden sind, dass Badewannen im Schlafbereich frei herumstehen und das Duschen in einer Art Schaufenster zelebriert wird, aber die Toilette offen im Raum? Das geht vielen denn doch zu weit und erinnert stark an die Möblierung von Gefängniszellen, wenn auch auf anderem Gestalt-Niveau. Das Konzept setzt dem Trend quasi die Krone auf und facht die Diskussion an, wieviel Diskretion der Mensch vor sich selbst und seinen Körperfunktionen braucht, denn schließlich handelt es sich hier um ein ausgewiesenes Einzelzimmer.
Begrüßt wurde der zurückhaltende Umgang mit dem Baudenkmal durch die am Entscheidungsprozess beteiligte Denkmalbehörde, weil die Eingriffe in die Bausubstanz sich auf ein Minimum reduzieren ließen: alle Leitungen laufen im Möbel. Fördermittel von 5.000,- Euro waren inzwischen akquiriert. Allerdings zeigte die Schätzung, dass diese sehr knapp werden würden. Deshalb kümmerte sich einer der
Studenten erfolgreich um Sponsoren. Immerhin gut 3.000,- Euro wurden auf diese Weise in Form von Materialspenden eingeworben.
Mitte Dezember war Baubeginn für das Musterzimmer. Der erste Arbeitsschritt sollte das Herausbrechen der Tür sein, um das Zimmer an den umlaufenden Flur anzubinden. Angst vor der Denkmalbehörde führte bereits am ersten Tag zu einem frustrierenden Baustopp und zur ersten Umplanung.
Es folgte die Reparatur der lückenhaften alten Dielen. Dann wurde die Trockenbauwand gesetzt und gespachtelt. Der Boden
abgeschliffen und versiegelt. Schließlich wurde in der Werkstatt der Hochschule der Möbelkorpus gebaut.
Dabei gab es fachliche Unterstützung von den dortigen Meistern und Studenten mit abgeschlossener Tischlerlehre.

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Parallel wurden erfolgreich Sponsoren gesucht für Sanitärobjekte, Armaturen, Heizung, Elektro-Schalterprogramm, Leuchten und Klobürste. Der größte Posten war die wasserfeste Oberfläche aus HIMacs, die uns zum halben Preis zur Verfügung gestellt wurde. Dazu wurde ein Workshop veranstaltet, bei dem den Studierenden die sachgerechte und fugenlose Verarbeitung vorgeführt wurde.
Inzwischen war der Raum gestrichen und soweit vorbereitet, dass der Einbau erfolgen konnte. Der örtliche Installationsbetrieb (Fa. Bigeschke) unterstützte die Studierenden wo möglich. Bald war eine Werkstatt im Nebenzimmer eingerichtet, wo die Studierenden rund um die Uhr arbeiteten.
Die Heizung war bereits angeschlossen, denn im alten Gemäuer wurde es zusehends kälter, die Anschlüsse für Frisch- und Abwasser waren durch den stillgelegten Kamin gelegt. Richtig eng wurde es am Wochenende vor der Abgabe. Die Gasdruckfedern, die das Bewegen der Klappen erleichtern sollten, waren zu stark, so dass die Scharniere auszubrechen drohten und das Waschbecken war beim Transport verschollen. So musste kurzfristig Ersatz besorgt werden. Die Matratze kam einen Tag vor der Präsentation. Das Bettzeug brachten die Professoren zu den Kolloquien mit.
Das Interesse war enorm: zu den Kolloquien erschienen über 50 Zuhörerinnen und Zuhörer, Einheimische, Studierende, Sponsoren, der Rektor der Hochschule u.a. 
Auch wenn bei dem Projekt der Entwurf nicht im Vordergrund stand, so haben alle Beteiligten ein Höchstmaß an Lerneffekten mitgenommen und: das Musterzimmer blieb sowohl im Kosten- als auch im Zeitrahmen. Noch ein positiver Effekt: das „Abgabemodell“ verstaubt nicht zu Hause im Regal sondern wird künftigen Nutzern zur Verfügung stehen.
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.• Themenstellung: Prof. Yvonne Brandenburger, Prof. Joachim Deckert
Fakultät ARS Architektur und Stadtplanung, Fachhochschule Erfurt
• Konzept: Nikolai Gemmecke, BA
• Bearbeitung: Lisa Erbe, BA, Nikolai Gemmecke, BA, Jan-Philipp Küsters, BA
• Praxispartner: Frank Bigeschke, Wiehe
• Tischler: Matthias Staudt, Marc Kratzer, Mark Winnefeld (Studierende)
• Fa. Haftung, Donndorf
• Elektro: Johannes Glasser, Franziska Brandenstein (Studierende)
Fa. Severin, Wiehe
• Heizung/Sanitär: Fa. Bigeschke, HLS, Wiehe
• Förderer: Thüringer Ministerium für Justiz, Migration und Verbraucherschutz,
Velux, Landlab Schloss Wiehe e.V.
• Sponsoren: 
Klöpferholz, Artemide, HansGrohe, Villeroy&Boch, Ideal Standard, JUNG, Matrazzo, Sanit, Fa. Bigeschke

© Photos : Jörg Behrens

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